Willkommen !

Das Geheimnis des guten Klangs


Audiotest eines Radios von 1952.

Viele Menschen sind der Meinung: historische Radios und Audio- Geräte klingen gut, manche sehr gut.
Das ist keine Meinung einiger weniger Nostalgiker. Es gibt eine große Fan- Gemeinde einiger Röhrenradio- Klassiker, etwa der SABA- Spitzengeräte der 50er und 60er Jahre, aber auch der Grundig- und Philips- Geräte jener Zeit, und natürlich auch einiger DDR- Radios.

Alle namhaften Hersteller hatten Großsuper und aufwendige Oberklasse- Mittelsuper in ihren Produktionsprogrammen, die zu ihrer Zeit die mit dem maximalen Aufwand erkaufte Spitze,"das Ende der Fahnenstange", waren, aber auch einige Mittelklasse- Geräte, die gut oder sehr gut klingen konnten.

Ich besitze modernere Geräte zum Vergleich- und auch Geräte der Radio- Steinzeit, die mit heutigen Tonquellen zur Hochform auflaufen können.

Fast alles Röhre, von den allerersten, über die berühmten Trioden- Audio- Königinnen, zu den beliebten Allrounder- Penthoden, immer in ihren ursprünglichen Geräten.

Das Geheimnis des guten Klangs historischer Radios zu klären, ist ein großes Projekt, an dem ich arbeite.

Was ist "guter Klang ?

Für mich ist "guter Klang" nicht unbedingt "HiFi".
"HiFi" bedeutet eigentlich höchste Wiedergabetreue.
Das impliziert eine perfekte Wiedergabekette. Dementsprechend sind die Forderungen an die Geräte.
Nur- es gibt Geräte, die diese Forderungen nicht erfüllen, aber Schallereignisse hervorragend reproduzieren !

Höchste Wiedergabetreue kann m. E. schon mit Geräten erreicht werden, die die HiFi- Forderungen nicht erfüllen.
Polizisten werden wegen "häuslichen Auseinandersetzungen in einer Wohnung" gerufen, und was haben die Nachbarn gehört... nur eine Folge der abendlichen "Seifenoper" im Fernsehen...
:-)

Die höchsten Töne kann ich aufgrund meines Alters sowieso nicht mehr hören.
Muß ich aber auch nicht, finde ich.

Für mich ist die höchste Wiedergabetreue dann erreicht, wenn ich die Augen zumache, und die Band, das Orchester, Geräusche der Ntur oder reale Personen vor mir zu hören meine, oder sich vor mir die Klangwellen einer Kirchenorgel ausbreiten, wenn ich die tiefen Töne der 32 Fuß- Pfeifen im Fußboden spüre, so daß ich das Gefühl habe, in der Kirche zu sitzen.

Oder: Stille. Mich spricht jemand an, ich drehe mich überrascht dorthin, weil eigentlich niemand im Raum ist, und die Stimme absolut real ist- Tatsächlich, da ist gar keiner, das kommt vom Radio !

Letzteres ist mir mehrmals passiert, mit Geräten aus der Zeit, als HiFi noch nicht bekannt war, und die natürlich keine Anforderungen der HiFi- Norm erfüllen !

Das geht natürlich erst recht mit moderneren Geräten.
AAAAber...  für solche Geräte sollte es keine Kunst sein, einen solchen "Dabei- sein"- Effekt zu erzeugen.

Nur.. den "Dabei- sein"- Effekt können ebenfalls nur wenige moderne Geräte.

Perfektion ?

Wenn man "audiophile" Beschreibungen liest, ist man geneigt, den Verstärker/ Tuner/ Plattenspieler, Boxen, etc. , welche/r ein Tonsignal zu 100,00 %, mit 0,000...% Klirrfaktor, sowie einem schnurgeraden Frequenzgang von fast Gleichstrom bis in den Hochfrequenz- Langwellenbereich wiedergeben können, als perfekt zu bezeichnen.

Es war aber schon ein verblüffender Effekt beim Auftauchen der ersten Compact Disc (CD): Hörer bezeichneten trotz eigentlich perfekter Sinusübertragung, hohem Störabstand, hoher Dynamik und geringem Klirrfaktor den Klang gegenüber Tonband und Platte als "kalt" !

ICH habe dazu die Meinung- und es NUR (M)EINE PERSÖNLICHE Meinung:
In der Natur gibt es keine 100%ige Perfektion !

Es gibt keine perfekt geraden Linien, geometrische Figuren, jedes Blatt eines Baums ähnelt allen anderen, aber es gibt keine zwei gleichen Blätter (Prinzip der "Selbstähnlichkeit").
Eine Stradivari- Geige klingt anders, als die große Masse. Sicher IST sie anders.

Ein Orchester klingt als solches, weil es geringste Differenzen zwischen den einzelnen Instrumenten, derer es im Orchester ja immer mehrere gibt.
Ohne geringste Frequenz/ Phasendifferenzen geht das nicht, bei exakter Übereinstimmung von Frequenz und Phase hört man nur 1 Instrument.
Dagegen kann man durch (Zeit-) Differenzen ein Orchester "in die Breite ziehen", ein Effekt, den sich manche Streichorcherster zunutze machen (Mantovani, James Last): "Cascading Strings".
"Cascading Strings" bezeichnen einen Musikstil in der Orchestermusik. Hierbei spielen verschiedene Gruppen von Streichern dieselbe Musik, aber zeitlich leicht versetzt. Für das Publikum erscheint das wie ein Nachhall, was die Musik besonders satt klingen lässt. Der Stil wird auch als Tumbling Strings bezeichnet.

In den 70ern habe ich einen "Pseudo- Stereo"- Sound durch 2 Tonbandgeräte gleichen Typs erzeugt, die das gleiche Musikstück abspielen. Das gibt einen sehr beeindruckenden "Hallen- Effekt" bei hervorragendem Klang.
Da die Geräte mechanisch nicht gekoppelt sind, "läuft das auseinander", für 1 einigermaßen kurzen Musiktitel konnte es aber ausreichen.
Es gab einst Tonbandgeräte mit mehreren Wiedergabeköpfen, damit kann man solchen Effekt natürlich besser erzeugen- Kriterium ist der Halleffekt durch den Hörkopf- Abstand.

Ein Musikinstrument kann man elektronisch vervielfachen, wie in Keyboards, Synthesizern und Audioprogrammen, jedoch klingt dies nicht so, als wenn mehrere reale Instrumente zusammenspielen.
Ich spiele selbst den schottischen Dudelsack- ich liebe die leichten Schwebungen im Bereich von Bruchteilen einer Schwingung (also unter 1 Hz), die zwischen den Bass- und Tenor- Drones und der Pipe Chanter entstehen.

Ich höre gern Sopransängerinnen, die höchste Tonlagen beherrschen- einige sind für mich schrill wie Kreissägen, andere lassen mich mit geschlossenen Augen in den Himmel schweben. Obwohl sie alle aus dem gleichen Repertoire schöpfen, jede ist anders, und so muß das auch sein.

Bekanntermaßen haben z. B. etliche gute Röhrenendstufen einen -wenn auch geringen- Klirrfaktor, Trioden und Penthoden zudem verschiedene Oberwellen, die für verschiedene Signal- Klirr- Zusammensetzungen verantwortlich sind, sie verändern also den Klang- dieser wird als "wärmer" empfungen.
Obwohl das Signal ja eigentlich nicht mehr dem woanders aufgenommenenen SIgnal entspricht- dies kommt dem Hörempfinden entgegen.

Und ja- schon die Klangquelle kann unperfekt sein, dann sollte -nach Meinung der HiFi- Freunde- doch die Übertragung das unperfekte Signal perfekt übertragen.

Und dennoch "klingen" Röhrenendstufen mit den alten Trioden, und dann noch im nicht gerade stromsparendan A- Betrieb, obwohl Verstärker nicht "klingen" sollen. Das liegt bekanntlich an den Verzerrungen, die bei Röhren geradzahlige Oberwellen, die "Harmonischen" erzeugen, die eben... harmonisch, für unsere Ohren angenehm, klingen.

Unter Umständen kann eine "kalt klingende", zu perfekte Aufnahme... "weicher" und angenehmer gemacht werden, damit ist die Wiedergabe zwar verändert, für den Hörer aber "verbessert".

Zusammengefaßt- wie geschrieben- NUR MEINE Meinung:
"In der Unperfektion liegt die Perfektion".
Es muß einfach alles zusammenpassen, dann ist die Perfektion erreicht.

Manchmal ist es so. Das Seitenwagen- Motorrad würde heute dem Erfinder vom TÜV um die Ohren gehauen werden, keine Chance, ein so unsymmetrisches Fahrzeug mit verschiedenen Fahreigenschaften bei Rechts- und Linksfahrt zugelassen zu bekommen.
"Sowas geht ja gar nicht !!!"
Fahrer von Seitenwagen- Gespannen schätzen und lieben diese Eigenschaften jedoch seit Generationen.


Messen

Ich bin von Berufs wegen -Rundfunk/ Fernsehtechniker- jemand, für den Messen das tägliche Brot ist.

"Messen ist Wissen, sagt Lenin !" war ein Spruch eines Lehrmeisters bei RFT, wo ich lange arbeitete.

Ich weiß nicht, ob Lenin das gesagt hat, aber... für mich gilt das.

Übertreiben tu' ich's nicht- "wer viel Mißt, mißt viel Mist", aber für mich hat es Gründe, warum einige Geräte top klingen, andere nicht.

Besonders guter Klang muß sich messen lassen !
"Was hörbar ist, ist meßbar, wenn es nicht meßbar ist, ist es Einbildung, oder der Techniker ist zu doof !" (Edi)
Im Zweifelsfall zählt immer der Hörtest, und zwar als der "doppelte Blindtest".

Ein doppelter Blindtest (auch Doppelblindstudie genannt) ist ein wissenschaftliches Versuchsverfahren, bei dem weder die Testpersonen noch die Versuchsleiter wissen, welche Audioquellen/ Geräte etc. zu hören sind.
Dieses Verfahren gilt als der „Goldstandard“ in der Forschung, um objektive Ergebnisse zu erzielen.

(Übrigens: Wenn man bei Vergleichen in -sowieso werbelastigen- HiFi- Zeitschriften nach einem solchen Test sucht- meist vergebens- oder der Test ist so organisiert, daß er alles andere ist, aber kein echter doppelter Blindtest).

Beim Messen bin ich nun bei.

Ich habe auch ein Referenzgerät, das ist zwar auch von 1978 (Loewe Soundproject, Verstärker 12000/ Tuner 8000), aber mit einem Frequenzgang weit größer als der Hörbereich, und einem Klirrfaktor unter einem Zehntel Prozent kommt natürlich kein Uralt- Gerät mit, und bessere Geräte mag es meßmäßig geben, hörmäßig wohl eher nicht.
Ein Onkyo "Intagra 8850" steht auch noch bereit.

Der Loewe- Tuner 8000 wird im AM- Bereich -mangels Bandbreitenwahl- übrigens von etlichen Vorkriegsgeräten geschlagen !

Ich teste Geräte mit deren eigenen Lautsprechern/  Boxen, habe aber auch 2 exzellente Standboxen Z228 von RFZ, ehemals Studiotechnik Rundfunk.

Zum Anfang mache ich Messungen des Niederfrequenz- Teil der Radios, nutze die als Verstärker.
Gerade der NF- Teil ist ja für den Klang wichtig.

Ich habe aber auch die Möglichkeit, den Radio- Empfangsteil zu testen, bei UKW sowieso, aber ich habe die Möglichkeit, auf den alten AM- Bereichen ein Signal in die Geräte zu geben, welches UKW- Qualität ermöglicht- wenn es das Gerät aufgrund seiner Bauweise hergibt.

Ich habe hier Radios aller Jahrzehnte der Rundfunktechnik, natürlich die meisten mit Röhren, für dieses Thema wichtig: Mit den allerersten Endstufen, etwa RE134, über die berühmten Trioden- Audio- Königinnen RE604 und AD1, zu den beliebten Allrounder- Pentoden AL4, EL12 und EL84, immer in ihren ursprünglichen Geräten.

Es ist unsinnig, Vergleichsergebnisse nach HEUTIGEN Maßstäben zu erwarten, wenn man die Uralt- "Supertrioden" in ihren angestammten Geräten testet !

Abgesehen von der Alterung, etwa der Lautsprecher: Solch alte Geräte besitzen meist klangbeeinflussende Schaltungsdetails, oft fest und nicht abschaltbar, etwa für störungsfreien AM- Empfang die "9 kHz- Filter", für Schallplatten- Wiedergabe sog. "Nadelgeräuschfilter", Lautstärke- abhängige Tiefenanhebung/ Absenkung
(= "gehörrichtige Lautstärkeregelung") u. a.
, diese Filter erzeugen Anhebungen oder Absenkungen von Frequenzbereichen.

Gehörmäßig können die alten Geräte dennoch gut bis sehr gut klingen, insbesondere bei Verwendung mit hoher NF- Bandbreite modulierbarer Sender und heutiger Qualitäts- Audioquellen


Zum Vergleich stehen auch einige Transistor- Geräte bereit.


Es wäre schön, mit Audio- Enthusiasten Erfahrungen auszutauschen, Beschreibungen, Messungen, Vergleich, und wenn Mitleser hier ihre Meßergebnisse zum Vergleich zeigen, oder auch Messungen machen.

Und Nein ! Uralt- Geräte können modernen und modernsten HiFi- Geräten niemals Konkurrenz machen !
Sie können aber gut klingen. Nur darum geht es.

 

nach oben