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Audion, Mitnahme- Audion- Videos von Tests


Test- Audion- Geräte: Westinghouse (USA) "RC", 1922, RFT (DDR) "1U11", 1951

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Hier möchte ich einige Funktionen des Audions im normalen Gebrauch demonstrieren.

Testgerät 1
ist das Westinghouse "RC" von 1922, ein 1- Kreis- Rückkopplungs- Audion- Empfänger  mit 2- stufigem NF- Verstärker.
Ein sorgfältig gebautes Gerät, bei dem die Entwickler wert auf Verlustarmut und Bedienfreundlichkeit gelegt haben, und das noch funktioniert, wie am ersten Tag.
Westinghouse "RC" muß sich nach über 100 Jahren in Punkto Empfindlichkeit und Trennschärfe überhaupt nicht verstecken.

Testgerät 2
ist das DDR- Radio von Stern- Radio Berlin "1U11" von 1951, ein sehr einfach gehaltener 1-Kreis- Rückkopplungs- Audion- Empfänger mit nur 1 Röhre einer Penthode/ Endtetrode- Verbundröhre, die es auch nur in der DDR gab, sowie einem Selengleichrichter.
Es kostete nur 96.- DDR- Mark, manchmal bezeichnen Leute es als "DDR- Volksempfänger".
Das ist natürlich Quatsch- es war niemals als "Propaganda- Maschine" der Herrschenden gedacht, wie die "Volksempfänger VE301" und "DKE".

Geräte dieser Bauart kenne ich aus der Kindheit noch gut- sie standen überall- waren meist billiges Zweitgerät für Küche, Flur oder Gartenlaube.
Für den Empfang der Ortssender oder Bezirkssender reichten sie aus, die Tonqualität ist mit der Endtetrode und einem permanentdynamischen Lautsprecher sogar recht gut.

Der "1U11" hat eine Besonderheit: Er stimmt auf 1 Skale alle 3 AM- Wellenbereiche Kurz-, Mittel- und Langwelle ab !
Das Zeiger- Antriebsseil bewegt zwecks Abstimmung Ferritkerne durch mehrere Spulen auf einem Hartpapierrohr, und betätigt auch noch nacheinander 2 Einfach- Wellenschalter.

Nur 2 Röhrensysteme- aber die Verstärkung ist für Lautsprecherempfang vollkommen ausreichend- mit guter Antenne ist "1U11" sogar für Fernempfang brauchbar.

Rückkopplung und "Mitnahme"

Rückkopplung geht natürlich mit diesen Audion- Empfängern, dafür sind sie gedacht. Im Prinzip funktioniert "Mitnahme- Audion" ebenfalls mit allen Audionempfängern, aber solche mit sehr feiner Abstimm- Einstellung und sehr weichem Schwingungseinsatz eignen sich dafür besonders gut.
Besonders beim Empfang sehr schwacher bis mittelstarker Stationen ist "Mitnahmebetrieb" sehr sinnvoll.
Bei Geräten mit Vorstufen geht es gut, wenn die Kopplung Vorstufe/ Audion bei Bedarf verringert werden kann.

Äußerst wichtig: Antenne

Eine gute Antenne ist der einzige Aufwand, welcher für Uralt- Geräte erfüllt sein sollte.
Grundsätzlich gilt noch heute der Satz von Marconi "Eine gute Antenne ist der beste HF- Verstärker !"

Einige Empfangs- Demonstrationen nutzen meine V- förmige Langdraht- Antenne, 2 x 70 m in 8 m Höhe- damit geht schon einiges, denn die Mittelwelle ist sonst tagsüber nahezu leer, nur  nachts sind sehr viele Stationen empfangbar.


Demonstration RC- Audion im "Mitnahme- Modus"

Links: Hier ist sehr schön der "Mitnahme- Modus" zu sehen, jeweils von jeder Seite erfolgt erst ein "Herunter- Pfeifen", dann wird beim "Schwebungsnull" der Ton laut und klar.
Da im "Mitnahme- Modus" das Audion schwingt, läßt sich die relativ starke Eigenschwingung mit der H- Feld- Sonde auffangen und auf dem Frequenzzähler anzeigen. Die angezeigte Frequenz im "Schwebungsnull" ist exakt die Frequenz des empfangenen Senders.

Rechts: Der "1U11" kann das auch, aber die Abstimm- Einstellung ist nicht fein genug, und die Verspannung des Skalenseils läßt die Überlagerungspfeif- Frequenz scheinbar "springen".
Aber es funktioniert.
Rückkoppelsteller nach links gedreht- der Schwingbereich wird verlassen, der empfangene Sender ist nun zwar laut, aber dumpf zu hören, der NF- Frequenzbereich ist beschnitten.
Rückkoppelsteller noch weiter nach links gedreht- der Ton wird wieder heller, aber die Lautstärke nimmt stark ab.  Nun ist aber auch die Trennschärfe geringer.
Die Einstellung auf Schwebungsnull ist ohne Feinsteller nicht einfach, zudem ist das Radio etwas "handempfindlich", weil es keine Schirmung im Inneren gibt.

Wenn das Schwebungsnull eingestellt ist, und der Sender nicht zu schwach ist, bleibt die Einstellung lange erhalten, weil der empfangene Rundfunksender die Eigenschwingung des Audions "mitnimmt", bzw. "synchronisiert" bzw. "einrastet".

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Demonstration RC- Audion im "Mitnahme- Modus", sehr schwacher Sender

Links: Da man sehr schwache Sender nur mit "hochgedrehter" Rückkopplung durch die "Pfeifstellen" findet, kann man, sofern eine gute Feineinstellung das ermöglicht, auf "Schwebungsnull" einstellen, meist ist dann schon die Modulation hörbar.

Gegebenenfalls nimmt man die Rückkopplung etwas zurück. Ist der "Mitnahme- Bereich" nicht mehr aktiv, das Audion schwingt dann nicht mehr, wird die Modulation dumpf, weil die Entdämpfung unterhalb des Schwingeinsatzpunktes zwar eine hohe Empfindlichkeit ermöglicht, aber die Bandbreite dabei beschnitten wird.

Im Video tausche ich auch die Audionröhre RCA 00-A gegen eine Perryman PD-200-A aus. Beide Röhren sind höchstempfindliche Detektorröhren jener Zeit, beide neuwertig.
Der Sender ist Solt/ Kussuth Radio Budapest, 540 kHz, den ich mit der sehr guten Antenne oft am Tage empfangen kann, aber auch Onda Cero (Barcelona)sendet auf der Frequenz.

Die Sender auf der Frequenz sind am Tage sehr schwach und durch hohen Schwund mal schwach bis gar nicht, mal aber euch deutlich zu hören.

Rechts: Der "1U11" kann auch schwache Sender empfangen.
Er ist nicht so empfindlich wie der "RC".
Gut zu hören: Erst mit Rückkopplung VOR dem Schwingeinsatz, der Empfang wird dump, wenn man sich dem Schwingeinsatzzpunkt nähert, dann beginnt das Audion zu schwingen, die Einstellung auf das "Schwebungsnull" läßt dann den Sender wieder klar hören, und diesmal ohne dumpfen Klang.

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Demonstration RC:
Audion nichtschwingend/ schwingend im "Mitnahmebereich
"
Hier empfängt "RC" den Werkstattgenerator.
1. In der ersten Stellung des Rückkopplungs- Wahlschalters ist die
  Rückkopplung ZWEI Schritte VOR dem Schwingeinsatz eingestellt. Durch die
  hohe Entdämpfung ist die HF im Schwingkreis mit der H- Feld- Sonde gut
  aufnehmbar.
  Generatorausgang herausgezogen- RC zeigt kein Signal mehr.
2. In der nächsten Stellung des Rückkopplungs- Wahlschalters ist die
  Rückkopplung EINEN Schritte VOR dem Schwingeinsatz eingestellt. Durch die
  hohe  Entdämpfung ist die HF im Schwingkreis mit der H- Feld- Sonde gut
  aufnehmbar.
  Generatorausgang herausgezogen- RC zeigt kein Signal mehr.
3. In der dritten Stellung des Rückkopplungs- Wahlschalters ist die
  Rückkopplung kurz hinter dem Schwingeinsatz eingestellt, das Audion
  schwingt also sicher.
  Generatorausgang herausgezogen- Die Schwingung nimmt
  gering ab,aber
sie bleibt bestehen !
  Das Mitnahme- Audion" empfängt, obwohl es schwingt !
  Das geht aber nur, wenn die Eigenschwingung exakt der
  Empfangsfrequenz entspricht. Bei Verstimmung innerhalb des  
  Mitnahmebereichs ändert sich nur die Phase, was nicht bemerkbar ist.
  Erst wenn eine Differenz von Empfangs- und Eigenschwingung vorhanden ist,
  entsteht ein Differenzton.
  "RC" zeigt im Video seine starke Eigenschwingung, diese ist mit
  dem Generator- Ton moduliert, mit geringem Modulationsgrad, da die
  Eigenschwingung aber stark ist, und kein anderer Sender mehr stört, ist dies
  kein Problem.
  Das Abnehmen der Schwingung ist genau der Anteil der (durch
  "Entdämpfung" verstärkten HF des empfangenen Senders, dessen Amplitude
  addiert, und dessen Modulation auf dem addierten Teil übernommen wird.

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RC-Audion als Relaissender nach Barkhausen

Ein Audion mit angezogener Rückkopplung strahlt ab, auch im Mitnahmebetrieb.
Dazu schrieb Prof. Barkhausen:


§15- Entdämpfung  eines Schwingungskreises
Besteht  z. B.  der Schwingungskreis  in  Wirklichkeit  aus  einer  Empfangsantenne, in  der  der  ferne  Sender  die  Fremderregung erzeugt,  so  besteht im  Resonanzfalle  der  Antennenwiderstand  R  aus  dem  eigentlichen  Verlustwiderstand  Rv   und  dem Strahlungswiderstand  Rs , der dadurch  definiert ist, daß ... die  von  der  Antenne  in  Form  von Wellen  ausgestrahlte  Leistung ist, wenn in der Antenne ein Strom ... fließt.

Die Antenne  entzieht  dem  vom  Sender  herrührenden  Wellenfeld  die
Leistung  ... und strahlt von sich aus die Leistung ... ab.

Bei  20facher  Entdämpfung nimmt der  Empfänger aus  dem  Senderfeld  20mal  soviel  Leistung ... auf, strahlt
aber  400mal  soviel  Leistung  nach  außen  ab;  entsprechend
werden  auch  die  inneren  Antennenverluste ... größer.

Die  Empfangsantenne  strahlt  von  sich  aus  l0mal  soviel  Leistung aus,  wie  sie  vom  Senderfeld  aufnimmt.  
Die  entdämpfte  Empfangsanlage wirkt  wie ein Relaissender, der von  dem fernen Sender synchronisiert  wird,  und  zwar  nicht  nur  bezüglich  der  Frequenz,  sondern auch  bezüglich  der Modulation.
(Barkhausen "Elektronenröhren" Band 3,  S. 117, Formeln von mir ausgelassen)

Da das Audion im Mitnahme- Modus" schwingt, und über die Antenne abstrahlt, kann dies in einem anderem Empänger, der daneben steht, nachgewiesen werden.
Der kleine Taschenempfänger empfängt hier den Werkstattgenerator.

Nachdem das Audion genau auf "Mitnahmebetrieb" eingestellt ist, ist der Empfang im Taschenradio lauter- es empfängt nun nicht mehr den Generator, sondern die Abstrahlung des Audions als "stärkerer Sender".

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Demonstration RC- Audion Trennschärfe im Mitnahmebereich
Hier ist ein normaler Rundfunksender zu hören, es stört ein 800 Hz- Ton im Hintergrund.
Das ist mein Werkstattgenerator, auf einer 9 kHz höheren Frequenz, also der Nachbarkanal.
Beim Abstimmen auf Nachbar- Kanal ist der Testton des Werkstattgenerators laut zu hören.
Bei nicht angezogener Rückkopplung ist der Testton im Signal des Radiosenders störend, bei Rückkopplung kurz vor dem Schwingeinsatz immer noch vorhanden.
Die Trennschärfe reicht einfach nicht für eine vollständige Trennung.
Aufdrehen der Rückkopplung zum Schwingen, Abstimmen auf Schwebungsnull- und im "Mitnahmebereich" ist der Radiosender laut und klar zu hören, ohne den Ton des Werkstattgenerators.

 

Prof. Bosch (ehemals Telefunken) schrieb (Funkgeschichte 180/2008, "unmittelbare Nachkriegszeit", S. 108), mit dem "Mitnahme-Audion" ist die Trennschärfe eines Superhets erreichbar !
Er bezifferte diese, bezugnehmend auf Veröffentlichungen der "Telefunken- Zeitung" und einem Artikel von H. G. Tucker,  mit 60 dB
.

In einer Fortsetzung (Funkgeschichte 181/2008,
"eigene Experimente, " Additive Demodulation"", S. 149 ) schrieb Prof. Bosch, daß er mit einer gering modifizierten Schaltung (Abnahme der NF am Steuergitter) im Mitnahmebetrieb bei zwei Sendern mit 9 kHz (Kanal-) Abstand eine Trennschärfe von 55 dB erreichte, das wäre ein Wert, wie ihn ein Superhet bringt, die Bandbreite des Nutzsignals wurde dabei nicht hörbar eingeengt.

Weitere Quellen:
Telefunken-Zeitung, Jahrgang 25- 1952, Heft 96, S. 159–167.

Veröffentlichungen von D. G. Tucker: The History of the Homodyne and Synchrodyne. J. Brit. IRE, 1954, S. 143 - 154.
H. G. Möller: Über störungsfreien Gleichstromempfang mit dem Schwing-
audion. Jb. Drahtlose Telegraphie u. Telephonie, 17 (1922), S. 256- 287.
F. M. Colebrook: Homodyne. Wireless World and Radio Rev., Febr. 1924,  S.645 - 648.
[10] Radio für Alle. a) Heft 3, 1932, S. 100 - 101; b) Heft 6, 1932, S. 241.

Den Wert 60 dB kann ich mit meinem Westinghouse "RC" von 1922 bestätigen !

 

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