Die Empfangsbereiche und die Realisierung, Analyse
Die Katalog- Beschreibung und die Fotos verraten einiges, was für die Rekonstruktion wichtig ist:
Der Empfangsbereich ist sehr weit: 1000 m bis 30.000 m = 10 kHz (unterste Grenze des Längstwellenbereichs) bis 300 kHz (oberste Grenze des heutigen Langwellenbereichs).
Der Primär- Bereich
"E207" verwendet 4 Kondensator- Bänke im Primärkreis, eine Primär- Spule mit 4
Anzapfungen + Endanschluß
Es wird eine "Kurz-/ Lang- Schaltung" angewandt, das ist für "Kurz" eine Reihenschaltung Abstimmkondensator/ Spule, bei "Lang" eine Parallelschaltung Abstimmkondensator/ Spule.


Sekundär- Skalenscheibe, die Pfeile zeigen auf die den römischen Ziffern I bis V zugehörigen Skalen.
Ich habe die Perspektive entzerrt und die nahezu unlesbaren Beschriftungen nach Augenschein und Ziffernlänge rekonstruiert, wie es mir plausibel erschien. Die Skalen dehnen die Frequenzabstände nach hohen Frequenzen hin.
Aus der entzerrten Ansicht werde ich nun nach Winkelmessung die Skale rekonstruieren.
Diese Skalenteilung ist aber nur eine grobe Orientierung für den Nachbau.
Der Sekundär- Bereich
Der Sekundär- Bereich verwendet eine Sekundärspule mit Grund- und Endanschluß, sowie eine Rückkoppelspule mit 4 Anzapfungen und Endanschluß.
Die Sekundärskale hat -im Gegensatz zur Primärseite- 5 Teilungen für 5 Bereiche, die durch Spulenwechsel bestimmt werden- der vierte Bereich für Längstwellen ist zweigeteilt, es wäre möglich, daß Spule IV durch Umstecken oder einen Umschalter die fünfte Skale erreichbar machte.
Auf der Sekundär- Bedienplatte gibt es also keinen Wahlschalter und Buchsen/ Stecker für Unterbereiche.
Die Tabelle
Sie wurde vom Funker erstellt, der das Gerät einst bediente, wahrscheinlich wurden mit einem "Wellenmesser", ein kleiner- HF- Generator, ähnlich dem späteren "Grid- Dipper" der Funkamateure, einfach nur -mit der Stationsantenne oder einem Antennenersatz gleicher Kapaztität- die Resonanzen des Primärkreises gemessen.

Tabelle original und auf eine lesbare Weise neu erstellt.
Die Tabelle gilt nur für das das einzig dokumentierte Exemplar eines "E207", und zwar genau mit der 9000 pF- Stationsantenne des damaligen Aufstellortes.
Die Skalierung der Tabelle geht wesentlich weiter, als die Angaben auf dem Kapazitätswahlschalter auf der oberen Frontplatte, es sind also mit Sicherheit keine Kapazitätsangaben, sondern Wellenlängen, zudem wären Kapazitäten unterhalb 2000 pF (Beschriftung des Wahlschalters, Bereich I) gar nicht erreichbar.
Die Beschriftung der Tabelle fürden Primärkreis nach Wellenlängen ist plausibel, der Primärkreis ist abhängig von der Antennenkapazität, diese verändert dessen
Resonanzfreqenzen.
Die Primär- Abstimmskale auf der oberen Frontplatte hat darum auch keine feste
Beschriftung, nur Gradzahlen. Es wird eine Frequenz auf der Sekundärskale eingestellt,
und dann nach Tabelle mit den 4 Primär- Schaltstellungen und der "Kurz-/ Lang-
Schaltung" auf beste Signalstärke eingestellt.
Der Sekundärkreis wird durch die Primär- EInstellungen kaum beeinflußt, konnte genau in Bereiche und Wellenlängen geeicht worden, und die Sekundär-Rundskale läßt auch genau darauf schließen.
Es sind mehrere Resonanzpunkte bei verschiedenen Schaltkombinationen möglich,
so kann man für viele Frequenzen Punkte mit hohem oder niedrigen L-/C- Verhältnis
anwählen, und den besten Punkt aussuchen und im Logbuch festhalten.
Eine "Such- Stellung", wie beim amerikanischen "IP-500" oder Telefunken "EHA13" wird beim "E207" nicht angewandt, es ist ein ortsfester Großstationsempfänger, der nicht ständig das Band nach schwächsten Stationen absuchen muß.
Berechnung
Aufgrund der angegebenen Wellenlängen und der Beschriftungen der Skalen, sowie der ermittelten Prinzipschaltung kann nun errechnet werden, wie die Wellenlängen aufgeteilt waren, es kann die Schalter- Logik ermittelt und die Induktivitäts- und Kapazitätswerte rückgerechnet werden, das ist alles kein Hexenwerk.
Für die Bestimmung der Bauelemente für die Erstellung der Bereiche reichen die Reihen- und Parallelschaltungsberechnung von Kondensatoren und die Thomsonsche Frequenzformel (oder Wellenlängenformel, wenn man die Ergebnisse in Meter wünscht).
Online- Berechnung
Im Internet gibt es dafür "Online- Rechner", wie den "Wetec- Schwingkreis- Rechner" und KI- Programme ("Künstliche Intelligenz"), mit denen die ständige Neuberechnung immer wiederkehrender Berechnungsfolgen viel schneller durchgeführt werden kann.
Für die KI- Nutzung ist aber eine Anweisungsfolge nötig, die ABSOLUT EINDEUTIG sein muß !!!
Insbesondere müssen die Ausgangsbedingungen, sowie eine MATHEMATISCHE GENAUIGKEIT, und zwar für ALLE Ergebnisse, zwingend vorgeschrieben werden, und das bei jedem Berechnungslauf !
Es ist IMMER eine Nachkontrolle nötig.
KI- Programme nutzen als Grundlage der Berechnungen Informationen aus Fachbüchern, aber auch Chats, Foren und Gruppen, und diese Programme teilen nicht immer mit, welche Grundlage sie gerade verwenden, sehr oft wechseln sie bei wiederholenden Berechnungen die Grundlage, ohne darauf aufmerksam zu machen !
Auswertung der Tabelle
Aufgrund der Daten konnte ich ermitteln, daß der "E207", der einst in einer Großstation stand, und von dem Daten aus den Fotos der Skalen und Tabellen abgenommen werden konnten, daß er tatsächlich, wie von Telefunken beschrieben, für eine Großstation eingerichtet war- die Antennenkapazität, an welcher dieser eine "E207" betrieben wurde, betrug... 9000 pF !!!
Die Nachrechnung liefert für den großen Teil der Tabellenwerte zumindest ähnliche und plausible Werte, was diese rechnerische Kapazitätsbestimmung eindrücklich bestätigt.
Und ja- eine Antenne mit 9000 pF Antennenkapazität ist für Großstationen nicht ungewöhnlich, siehe die folgende Seite zu Antennen.
Folgerung aus den Tabellenwerten
Der "E207" ist NUR für Großstationsantennen gebaut, sowie für seine angegebenen Wellenlängen, wobei bei den kürzeren Wellenlängen durch die große Antennenkapazität das L/C- Verhältnis mit steigender Fequenz ungünstiger wird. Dies wird aber durch die sehr aufwendige "Telefunken- Wicklung" (= Bankwicklung" = "Stufenwicklung") kompensiert.
An einer Antenne für mittlere und kleine Stationen kann der "E207" nicht ohne weiteres betrieben werden!
Dafür gab es spezielle Geräte, wie der "Telefunken "E82".
Es ist jedoch möglich, den "E207" auch an beliebigen Antennen zu betreiben, dann müßte ein Antennen- Anpaßgerät in Dienst genommen werden.
Hier zeige ich die von mir aus der Tabelle ermittelte Grafik für die Bereiche in der Auswahl Lang-/ Kurz.
Die Grafik zeigt fast genau quadratisch ansteigende Kurvenmittel.
Die Wellenlängen bis 3000 m sind nur mit "Kurz" anwählbar.
Bis 30000 m sind alle Wellenlängen mit "Kurz" UND "Lang" anwählbar.
Die Wellenlängen oberhalb 37000 m sind nur mit Lang anwählbar, aber der Pflichtbereich des "E207" geht nur bis 30000 m.

Beispiel: Violett gezeichnet = Empfang des Senders "SAG" Grimeton, 17,2 kHz, = 17400 m, der Sender kann an 2 Position bei Primär Schaltstellung III, Stellung "Lang", sowie an 3 Positionen bei Primär- Schaltstellung 4, Stellung "Kurz", empfangen werden.
Anmerkung: Dies ist die aus der Original-Tabelle erstellte Grafik für die Original- Konzeption des "E207" an der Antenne seines Standorts.
Die genauen Werte der Drehkondensatoren, Kondensatoren, sowie deren Verschaltung mittels Spulenabgriffen, "Kapazitäten- Wahlschalter" und "Lang-/Kurz- Schalter" sind nicht bekannt, da etliche Teile des erhaltenen Geräts fehlten.
Man kann aber von der Richtigkeit der Angaben ausgehen, und versuchen, die damaligen Werte als Vorbild für die Rekonstruktion zu verwenden, und eine Verschaltung entwerfen, die weitgehend die historischen Werte ergibt.
Fazit:
Für seine Tabelle und Skalierung, sowie der hochkapazitiven Antenne wird der volle Frequenzbereich, den Telefunken angibt, voll bestätigt.
Für seinen Verwendungszweck war der "E207" eine technisch ausgefeilte, sehr präzise Maschine.
