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Analyse der Fotos- Frontplatte

 
Die einzigen Abbildungen des E82: In der Heeres-Leitstelle aus Telefunken- Zeitung Nr. 15, Mai 1919 (05), Telefunken- Zeitung Nr. 16, Juli 1919 (03), S. 10 und aus  "Die deutschen Funknachrichtenanlagen"

Was muß an Bedienelementen auf der Frontplatte vorhanden sein ?
- Zur damaligen Zeit waren getrennte Abstimmungen der Kreise üblich, meist mit
  Drehkondensatoren, also sind 3 Abstimmskalen zu erwarten- und sie sind auch
  vorhanden.
- Die Antenne und die Kreise wurden miteinander variabel oder schaltbar gekoppelt,
  variabel ist aufwendiger, und wäre bei einem Gerät der Großklasse zu erwarten.
- Antennenseitig wurden auch Kondensatoren, Drehkondensatoren, Spulen oder
  Variometer in die Antennenleitung geschleift, beim E255a war das der Schalter
  "Antennendämpfung".
  Ein solcher Schalter wäre zu erwarten.
  Es könnten 2- 4 Koppler vorhanden sein. Ich erkenne drei- nämlich 2 "Handräder" in
  der Mitte vertikal,und ein Schiebesteller an der Gehäuseseite rechts.
  Handräder weisen auf stabile, schwere Koppler hin, für die Abstimmung sind ja die  
  Bauteile bereits identifiziert.
- Der Empfangsbereich ist groß- es muß einen Wellenbereichsschalter geben.
- Ein Gerät der Großklasse hat sicher etliche Möglichkeiten, Kreise zu schalten und sich
  mit anderen Geräten zu koppeln, etwa Überlagerern, HF- und NF- Verstärkern.
  Es ist also ein Betriebsarten- Schalter anzunehmen.
- Bei einigen Empfängern konnte man die Ankopplung des Detektors an den letzten
  Schwingkreis variabel oder schaltbar ändern.
  Eine Detektor- Kopplung wäre zu erwarten.
- Üblicherweise wurden die HF- Reste hinter dem Detektor mit schaltbaren 
  Kondensatoren gedämpft.
  Ein Schalter "Telefon- Kondensator" wäre zu erwarten.
- Reine Detektorgeräte waren oft vorbereitet für den Anschluß an Röhren- Audion-
  Baugruppen, meist mit Rückkopplung.
  Eine Betriebsart "Audion" am Betriebsarten- Schalter und ein Rückkopplungs- Stellglied
  wären zu erwarten.

- Ein Gerät der Großklasse hat oft einen Schalter für die Wahl mehrerer
  Kristalldetektoren, und manche Geräte bieten ein oder mehrere Potentiometer für
  Detektor-
Vorspannung(en).
  Es sind also mehrere Detektor- Plätze, ein Haupt- Detektor, sowie alternative
  Detektoren und Vorspannungssteller zu erwarten, beim E82 zweimal.
- Natürlich sind an der Vorderseite des E82 Kopfhöreranschlusse zu erwarten.

Soweit die zu ERWARTENDEN Bedienelemente.

Gerade bei Großgeräten war viel Platz für viele Steller, man konnte víele Kombinationsmöglichkeiten der Abstimm- und Kopplungselemente realisieren. Die Anzahl der Bedienelemente war hoch, aber die Bediener waren ausgebildete Funk- Spezialisten, und für diese erschloß sich die Bedienung fast auf den ersten Blick.

Bedienelemente werden sicher in einer übersichtlichen Weise angeordet sein, etwa entsprechend der Baugruppenaufteilung oder der Signalflußrichtung.
Ständig genutzte Abstimmelemente plaziert man weiter unten, wegen der Handauflage, weniger oft genutzte Steller weiter oben.

Übliche Beschriftungen



  
(aus Bildern extrahiert, Telefunken- Katalog, Seefunknetz de, Fotos E122 im RBF- Forum)

Alte Bezeichnungen lesbar machen
In modernen amerikanischen Krimiserien schaffen es z. B. "CSI"- Ermittler, selbst die unschärfsten Straßenüberwachungskamera- Bilder so aufzulösen, daß man verschwommene Autokennzeichen wieder lesbar bekommt.
Leider ist das... Märchen für den Film.
Sofern eine eher geringe Unschärfe der Fotos besteht, kann man durch Bildbearbeitung "nachschärfen", allerdings werden auch Störmuster mit "geschärft".
Nur: Wo ein Bildteil genau die Pixelgröße 1 Pixel besitzt, kann keine kleinere, also  darunterliegende Information, mehr gewonnen werden.
Unscharfe Fotos aus alter Zeit können fototechnisch bestenfalls bis zur Korngröße des Filmmaterials aufgelöst werden.

Aus unscharfen Fotos Wörter wiedergewinnen
Für die Analyse der Frontplatte aus Fotos, die nicht die nötige Schärfe für eine korrekte Ablesung besitzen, ist es nützlich, die damals üblichen Beschriftungen und Bezeichnungen der Bedienelemente
zu kennen,
die Bezeichnungen waren damals anders, z. B.: Antennen wurden als "Luftdraht" bezeichnet, Sekundärkreis als "Zwischenkreis", u. v. m.
Mit diesem Wissen kann man bei unleserlichen Beschriftungen Vermutungen über die ursprüngliche, unleserliche Beschriftung anstellen, hierbau kann man andeutungsweise erkennbare größere Buchstaben und Leerstellen zwischen Wörtern hilfsweise heranziehen.
Das ist hilfreich, und die Trefferwahrscheinlichkeit auf jeden Fall erheblich größer als Null, siehe "Ententest":
„Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente.“
Das meint den Prozess der Zuschreibung einer Eigenschaft basierend auf ihren sichtbaren Erscheinungen. Diese Zuschreibungen beruhen auf Erfahrung und sind mit einem gewissen Fehlersatz für die Analyse- Auswertung geeignet.

Mögliche E82- Frontplatte
Aus den vorherigen Ausführungen betreffs wahrscheinlicher Bedienmöglichkeite,  Wiederherstellung der Wörter und Bediengruppen- Aufteilung entstand dann mein Rekonstruktions- Entwurf.
Alle Bedienelemente von Relevanz sind vorhanden, sowie zusätzliche Bedienelemente, die bei besseren Geräten oft verwendet wurden, und zeitgemäße Beschriftungen.


Aus der Zusammenstellung ergibt sich eine recht nette Gruppenaufteilung:
- Alle Antennen-/ HF- seitigen Stellelemente sind im gelb umrahmten Feld rechts.
- Alle für Abstimmung und Trennschärfe relevanten Stellelemente sind im orange
  umrahmten Feld Mitte/ links.
- Alle Niederfrequenz- Stellelemente sind im blau markierten Feld oben.

Nur die -wahrscheinliche- schaltbare Tertiär- Ankopplung des Detektors ist mit auf der rechten Seite mit plaziert. Ist aber noch HF- seitig, das kann man gelten lassen, der Knopf ist wahrscheinlich aus Platzgründen dorthin plaziert worden.


Erst spät bemerkt: Zwei Beschriftungsschildchen sind- nur auf dem Foto des Heeresleitstellen- Gerätes- zusammengerückt, und an die rechte Frontplattenkante verschoben worden- beide beziehen sich offensichtlich nur auf den seitlichen Schiebesteller. Der obere Schildchen las ich als "Signalstärke", beim unteren... fällt mir momentan nichts ein.
Nach einem "Brainstorming" mit Hilfe einer Suchmaschine fand ich dann diese Bezeichnungen besser: "System- Kopplung" und "Lade- Krs.- Spule", das korrespondiert auch mit andeutungsweise erkennbaren Buchstaben "S" und "y" im mittleren Schildchen, sowie möglicherweise 3 Wörtern im unteren Schildchen.
Auf jeden Fall beziehen sich beoide auf den Schiebesteller, und der wäre nach meinem Dafürhalten im Antennenkreis wirksam.

Die Bezeichnung "Ladespule" war für Spulen im Antennen- Weg, den "Verlängerungsspulen" bei Sendern, üblich, ebenfalls in englischsprachiger Literatur für "Verlängerungsspulen" der Schwingkreise zum Zwecke des Empfangs von Längstwellen ("Loading Coil").

Dies ist MEIN Entwurf.
Aufgrund komplett fehlender Unterlagen zum E82 bleibt eben nichts anderes übrig, als detektivische Ermittlung von Maßen, Beschriftungen und Rückschluß auf Schaltungsdetails, die zu dieser Zeit Verwendung finden konnten.
Es gibt sicher zahllose andere Möglichkeiten, welche Bedienelemente verwendet wurden, wie sie auf der Frontplatte angeordnet, und wie sie beschriftet wurden.

Ich denke, anhand der Möglichkeiten ist dies eine brauchbare Grundlage für die Rekonstruktion des E82.
Dieser Entwurf ist für mich die Grundlage der Frontplatten- und Bedienelemente- Gestaltung.

 

 

 

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